Top View 29.53 ft.
Installation für den öffentlichen Raum von Nevin Aladag und Beate Engl
2012, Rindermarkt München
2013 Villa Merkel, Esslingen

Material: Betongewichte, Gerüstsystem,Traversen, Stahlrohre, Aluminiumrohre, verzinkter Maschendrahtzaun, Draht, Plane, LED-Screen, Stereo-Lautsprecher, HD-Video

Gerüstskulptur: Beate Engl
Maße Gerüst: 9 x 8 x 6 m
Maße LED-Screen: 4,5 x 2,5 m
Video: Nevin Aladag
Länge: 2:48 min, Loop



Beate Engl
Beate Engl
(…) Für München nun entwickelten Nevin Aladag und Beate Engl das multimediale Projekt „Top View 29.53 ft.“ für den öffentlichen Raum, das sowohl partizipatorische Elemente als auch eine konkrete Auseinandersetzung mit dem Ort beinhaltet. Inspiriert von überdimensionalen Werbetafeln, wie man sie häufig an Ausfallstraßen und auf den Dächern von Häusern in internationalen Metropolen findet, entwarf Engl ein etwa neun Meter hohes Gerüst für ein Display, auf dem eine Videoarbeit von Nevin Aladag zu sehen ist. Die Form des Gerüsts ergibt sich nicht allein aus den technischen oder ortsbezogenen Bedingungen, sondern behauptet sich vielmehr als autonome Skulptur im Stadtraum. Einige Gerüstteile werden nicht funktional verwendet, sondern ragen als chaotische Elemente aus der sonst kompakten Form heraus. Das bewusst improvisierte Erscheinungsbild der temporären Konstruktion weckt nicht nur Erinnerungen an überforderte Baumeister, sondern auch an das Scheitern von utopischen Architekturprojekten wie Tatlins Monument für die III. Internationale.

Für das Video hat Nevin Aladag Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlecht, unterschiedlicher Ethnizität und Gesellschaftsschicht in der Münchner Innenstadt angesprochen und sie gebeten, einige Tanzschritte vor der Kamera vorzuführen. Obwohl die Menschen im Film anonym bleiben und man von ihnen nicht viel mehr als die Schuhe und die Bewegung der Füße sieht, verraten sie doch sehr viel über ihre Identität. Etwa 50 Filmsequenzen komponierte Aladag zu einem Loop, dessen Sound sich aus dem Klappern der Absätze und den schlürfenden Sohlen auf dem jeweiligen Plattenbelag von Münchner Gehwegen und Plätzen zusammensetzt. Der Film wird projiziert auf einem LED-Display, wie sie gewöhnlich in der Werbung im öffentlichen Raum verwendet werden. Der Titel der Arbeit „Top View 29.53 ft.“ bezieht sich auf die reale Höhe des Gerüsts, beinhaltet mit der englischen Maßeinheit aber auch eine Anspielung auf die Füße, die auf dem Display zu sehen sind.

Als Aufstellungsort für ihr multimediales Projekt wählten die Künstlerinnen bewusst den Rindermarkt, der mit seinem terrassenförmig gestalteten Brunnen eine Art Tribünensituation vorgibt. „Wir suchten einen Ort, der eine urbane Struktur, aber auch eine Verweilqualität hat“, erklärt Engl. An diesem belebten Platz verdichtet sich der Rhythmus der Tanzenden mit den realen Geräuschen der Stadt zu einem sommerlichen Klangteppich.

(aus dem Pressetext von Cornalia Gockel)